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Die Geschichte des Schloss Dankern

Dankern blickt auf mehr als 500 Jahre Geschichte zurück. Eine Geschichte, in der drei Familien eine wichtige Rolle spielen. Nicht alle Einzelheiten sind geschichtlich dokumentiert. Dennoch wollen wir Ihnen einen kleinen Einblick in die Historie des Wasserschlosses Dankern geben.

Etwa 500 Meter vom heutigen Schloss entfernt findet man auf einem heute bewaldeten Gelände Anzeichen dafür, dass an dieser Stelle eine frühmittelalterliche Rundburg gestanden haben muss. Noch heute nennt man diesen Ort "de borg" (die Burg). Wer diese Anlage wann errichtete, ist unbekannt. Als sicher darf man aber annehmen, dass sie ein Bollwerk gegen die immer wieder einfallenden Holländer bilden sollte.

Zu den ältesten, namentlich bekannten Besitzern dieser Burg gehörte die Familie "der von Beesten". Seit Anfang des 16. Jahrhunderts führt das münstersche Landtagsmartrikel diese Familie als "Herren zu Dankern". In den folgenden Jahren geriet Dankern als Erbgut in die Hände verschiedener Familien. 1664 verkaufte sein Besitzer Heinrich von Mandelsloh ein "beträchtliches Stück Land" an den damaligen Rentmeister des Emslandes in Meppen, Oberst Johann Heinrich Martels.

Das Emsland gehörte Jahrhunderte lang zum Fürstbistum Münster. Schon 1253 kaufte der damalige Fürstbischof Otto von Münster die Grafschaften im Emsland von der letzten Besitzerin Jutta von Ravensberg, die mit Wallram von Monzoye vermählt war. Bis 1803, nachdem der Hauptschluss der außerordentlichen Reichsdeputation auch das Fürstbistum Münster säkularisierte, war der Landesherr der jeweilige Fürstbischof von Münster. Die damalige Verfassung des Stiftes Münster bestimmte als ständigen Vertreter der Landesherren einen Droste. Dieser führte im Namen des Fürsten die Regierungsangelegenheiten durch. Zugleich hatte er die Aufsicht über die Richter. Gemeinsam mit dem ihm untergeordneten Rentmeister besorgte er auch die Steuer- und sonstigen Einnahmen sowie die Verwaltung. Die Droste des Emslandes wohnten zunächst in Meppen, dann zu Nienhues und zuletzt in Altenkamp bei Aschendorf.

Johann Heinrich Martels kaufte wenig später die erwähnte Burg Dankern und die dazugehörigen Ländereien. Seit 1667 wurde sein Name als "Herr zu Dankern" genannt. Sein Vater Gerhard Martels war verheiratet mit Judith Röve. Deren Vater war schon Rentmeister des Emslandes unter dem Droste Hermann von Velen. Den Titel gab er, wie zu damaliger Zeit üblich, an seinen Schwiegersohn weiter. Gerhard verwaltete das Amt von 1632 bis 1654. Danach übernahm es sein Sohn Johann Heinrich, der Käufer von Dankern.

Johann Heinrich übte das Rentamt unter der Landesherrschaft von Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen aus, dessen Vertreter als Droste des Emslandes Hermann Mathias von Velen war. Das Amt des Rentmeisters machte die Martels zur zweitmächtigsten Familie im Emsland, gleich nach dem Droste des Emslandes. Ihr Einfluss war sehr groß und das Amt mit vielen Machtbefugnissen ausgestattet, so dass die Einnahmen ungemein ergiebig waren. Unter Johann Heinrich kamen die Martels zu nicht unbeträchtlichem Reichtum.

Diesen Reichtum dokumentierte Johann Heinrich Martels gemeinsam mit seiner Gemahlin Maria Elisabeth Osthoff durch den Bau der heutigen Schlossanlage, mit deren Errichtung man 1680 begann. Baumeister war Gottfried Laurenz Pictorius; dieser gilt als Lehrer Schlauns, des Erbauers von Clemenswerth und Schloß Brühl. 1689 vollendet Pictorius sein Werk durch die Aufstellung eines freistehenden Tores. Nicht allein wegen der feinen Filigranarbeit der beiden schmiedeeisernen Torflügel bedeutet der auf zwei Barockpfeilern ruhende Bogen die Krönung der gesamten Anlage, zu der auch eine großzügige Parkanlage mit wertvollen Sandsteinfiguren gehört.

Johann Heinrich, der sich in der Geschichte – zur Regierungszeit des Christoph Bernhard von Galen – einen Namen erworben hat und über 40 Jahre Amtsrentmeister war, setzte die umfangreichen Ankäufe seines Vaters von Ländereien und Zehnten fort. 1667 fügte er dem Besitz das Gut Wesuwe und das von Langensche Gut Lehrte zu. Auch um die Kultivierung der angrenzenden Moore machte sich Johann Heinrich verdient. Die dort gewonnene Kulturfläche hatte solche Ausmaße, dass man über 40 Neusiedler ansiedeln konnte. Macht, Einfluss und Reichtum der Familie gewannen durch solche Aktionen immer mehr an Umfang. Beispiel für den Reichtum der Familie ist die Übernahme einer Steuerlast der Stadt Meppen von 7000 Talern im Jahre 1666 gegen Zins und Sicherheit seitens der Landesstände. Diese verwickelte die Martels in einen fast 200 Jahre andauernden Rechtsstreit. Das von Johann Heinrich Martels in den Jahren 1654 bis 1696 verwaltete Amt des Rentmeisters und sein gesamter Besitz gingen über an seinen Sohn Gerhard Heinrich. Dieser war mit Anna Maria von Merkelsbach vermählt. Nach Gerhard Heinrichs Tod gingen Amt und Ländereien 1729 über an seinen Sohn Johann Heinrich, der in erster Ehe mit Maria Anna von Thurn und nach deren Tod mit Cornelia Sybille von Cox verheiratet war. Er starb am 25. Dezember 1770, nachdem er und seine Familie in den erblichen Adelsstand erhoben worden waren.

Beerbt wurde er von seinem Sohn Johann Franz, der vermählt war mit Theodora von Dwingelo zu Lotten. Schon unter seinem Vater war ein starker Rückgang der Vermögensverhältnisse zu verzeichnen. So mussten 1753 ein Wohnhaus in Meppen und 1754 das Gut Wesuwe verkauft werden.

Sein Sohn und Erbe Franz-Ludwig, der Maria Ludowica von Voorst geheiratet hatte, beklagte 1800 in einem Schriftstück, "dass unsere Familie durch langjährigen Zwiespalt und immerwährende Uneinigkeit zerrüttet und heruntergekommen ist. Es sind Erbgüter, ja schon der größte Teil des Fideikommisses zersplittert oder veräußert, und das ganze Gut Dankern steht vor dem Ruin".

1827 gewinnt die Familie den Prozess um die Steuerschuld von 1666. Die so genannte "Martelsche Schuld" war zuletzt vor dem Reichskammergericht in Wetzlar verhandelt worden. Endlich entschied das Oberlandesgericht in Celle, dass der Familie Martels vom Amt Meppen die Summe von 30146 Talern auszuzahlen sei. Doch der Schiedsspruch erreichte die Familie zu einem Zeitpunkt, wo selbst eine solche Summe an ihrer misslichen finanziellen Lage nichts mehr ändern konnte. Franz Ludwig von Martels verkaufte Dankern am 22. Mai 1832 an den Reichsfreiherrn Johann Ignatz Franz von Landsberg-Velen. Als Folge dieses Verkaufes geht der Großteil des ursprünglichen Mobiliars und fast alle Aufzeichnungen über die Geschichte Dankerns sowie die Baupläne des Meisters Pictorius verloren, beziehungsweise werden sie von der Familie von Martels mitgenommen oder vernichtet.

Die in Westfalen ansässigen Familien der Freiherren von Landsberg zu Erwitte, wie auch der Herren von Velen waren seit mehr als 200 Jahren auf das Engste mit dem Emsland verbunden. Bereits 1556 begann mit Hermann von Velen, ansässig und begütert in Westfalen, die Ära der Familie von Velen als Droste des Emslandes.

Acht Generationen diente die Familie dem jeweiligen Fürstbischöfen als Droste des Emslandes.

Mit Hermann Anton Bernard, dem letzten Droste der Familie von Velen (1725-1767) starb die Familie aus. Erbin des Velenschen Fideikommisses und damit auch der gesamten emsländischen Besitzungen wurde seine Tochter, die 1756 Klemens-August Freiherr von Landsberg zu Erwitte ehelichte. Deren Sohn Paul Josef nahm 1792 den Namen Velen zu den Namen Landsberg an und wurde erster Freiherr von Landsberg-Velen.

Durch vorausschauende Pionierarbeit haben beide Familien viel zur Kultivierung großer Moor- und Heideflächen im Emsland beigetragen.

Einer der bedeutendsten Droste, Dietrich von Velen, 1611-1657, hatte 1631 die sehr devastierte Burg Papenburg mit Ländereien gekauft. Mit großer Tatkraft und unter Einsatz nicht unbedeutender finanzieller Mittel baute er einen Kanal zur Ems, um den unerschöpflichen Vorrat an Torf ins Ausland zu versenden. "Die Moräste wurden trocken gelegt, so dass Häuser errichtet und Grundstücke zu Grün- und Kornland angewiesen werden konnten". Damit war der Grundstein für die heutige Stadt Papenburg gelegt.

Johann lgnaz Franz Freiherr von Landsberg-Velen, der Käufer von Dankern, war verheiratet mit Ludowica Gräfin von Westerholt und Gysenberg. Am 15. Oktober 1840 wurde er in den preußischen Grafenstand erhoben. Das berechtigte den jeweiligen Familienvorstand, den Titel "Graf" zu führen. Als Johann-Ignaz am 16. September 1863 starb, trat sein Sohn Friederich Ludolf das Erbe an, der in erster Ehe mit Sophie Freiin von Imbsen verheiratet war. Unter Friederich Ludolf fanden in den Jahren 1890 bis 1894 erhebliche Ausbauten am Schloss Dankern statt. Sie gaben dem Bauwerk sein heutiges Aussehen.

Der Pictorische Bau wurde durch ein weiteres Stockwerk erhöht, und an den beiden Schnittpunkten der Flügel mit dem Hauptbau wurden Türme aufgesetzt. Diese Ergänzungen sind in rotem Backstein gehalten, während der ursprüngliche Backsteinbau einen Zementverputz erhielt. Diese Maßnahmen nahmen der Anlage nicht wenig von ihrer Vornehmheit und barocken Leichtigkeit, vielmehr strahlt der Bau heute eine, dem damaligen Zeitgeschmack entsprechende, schwerfällige Würde aus.

Als Friederich Ludolf am 15. Oktober 1898 starb, gingen sein Besitz und Grafentitel nach dem Landsbergschen Fideikommiss über an seinen ersten Sohn Maximilian. Sein zweiter Sohn Friederich, der Sophie Gräfin von Westerholt und Gysenberg geehelicht hatte, erbte Dankern. Dort trieb er die Kultivierungen und Aufforstungen voran.

Nachdem sein älterer Bruder Maximilian am 31. Dezember 1902 stirbt, ohne einen männlichen Erben zu hinterlassen, wird Friederich Herr der Landsbergschen Fideikommissgüter in Westfalen. Er hinterlässt Dankern seinem jüngeren Sohn Otto Freiherr von Landsberg-Velen, der am 31. Juli 1890 in Dankern geboren wurde. Otto heiratete am 18. Oktober 1915 Maria Gräfin Droste zu Vischering.

Nach dem ersten Weltkrieg übernahm er im Juli 1919 Gut Dankern. Otto Freiherr von Landsberg-Velen machte große Flächen Heide urbar und ließ Moore kultivieren, indem er sie großenteils aufforstete. Zwei Jahre vor seinem Tod, am 18. September 1974, muss er dann im Herbst 1972 miterleben, wie eine Sturmkatastropfe in einer Nacht den gesamten Wald, sein Lebenswerk, zerstört.

Von den Kriegsereignissen des zweiten Weltkrieges blieb Dankern verschont. Allerdings war es für fast drei Jahre für viele Harener Bürger eine zweite Heimat; Haren selbst war von der englischen Militärregierung für polnische Rückwanderer beschlagnahmt worden. Um die wirtschaftliche Grundlage für die Erhaltung des Schlosses Dankern zu schaffen, gründete Manfred Freiherr von Landsberg-Velen 1970 das Ferienzentrum Schloss Dankern. Die Idee: Familien mit Kindern einen erschwinglichen Urlaub bieten zu können. Mit dem Motto "Ferien mit dem Kind vom Kind" war das Ferienzentrum von Anfang an erfolgreich. Es entstand eine Ferienanlage, die in Deutschland einzigartig ist. Eingebettet in die wunderschöne emsländische Landschaft stehen Feriengästen hier nun über 700 Ferienhäuser mit vielen Spiel- und Sportmöglichkeiten für Urlaubsgäste zur Verfügung. Schloss Dankern bildet den Mittelpunkt des Ferienzentrums und konnte grundlegend saniert werden. Über 150 Jahre befindet sich Dankern nun im Besitz der Freiherren von Landsberg-Velen. In dieser Zeit hat sich sein Gesicht oft gewandelt und dem Zeitgeist angepasst. Bis heute aber steht Dankern als Beweis dafür, dass es auf seine Weise jung geblieben ist.